BRIGITTE wählt "Die besten Arbeitgeber für Frauen"

16.10.2018
Wir wurden ausgezeichnet. Das freut uns - so richtig glücklich macht es uns aber nicht ...

BRIGITTE, die erfolgreichste Frauenzeitschrift Deutschlands, hat zusammen mit den Personalmarketingexperten von TERRITORY Embrace „Die besten Arbeitgeber für Frauen“ ausgezeichnet, von ganz groß bis ziemlich klein, und wir gehören dazu (Heft Nr. 21, 2018). Das freut uns natürlich. Richtig glücklich macht uns die Auszeichnung aber nicht, und das hat mehrere Gründe:

Nachdem wir Anfang des Jahres als „Arbeitgeber des Jahres“ und „Top-Arbeitgeber 2018: Fokus Frauen“ ausgezeichnet wurden, legte man uns nahe, doch auch beim BRIGITTE-Wettbewerb mitzumachen. Haben wir getan. Zu welchem Preis? Schon beim Ausfüllen des Fragebogens dämmerte uns, dass das nicht unser Ding wird. Weil „Frauenförderung“ immer suggeriert, dass Frauen das per se nötig haben, dass sie gegenüber Männern grundlegend defizitär sind. Klar soll man Menschen ermutigen, für sich einzutreten, Stärken zu nutzen, den eigenen Weg zu gehen – das gilt für beide Geschlechter. Und bräuchte es letztlich nicht viel mehr Männerförderung, um das in alle Köpfe zu bekommen?

Wir wollen das Thema nicht kleinreden: Der Gleichstellungsdiskurs ist wichtig, denn von allein wird sich nichts ändern. Aber die gläserne Decke, dank derer sich die Altherrenriege noch für einige Zeit vor den vorrückenden Frauen abschotten kann, ist meist in großen, etablierten Unternehmen gezogen. In jungen Organisationen werden Menschen von Menschen doch meist schon so geführt, wie diese auch selbst arbeiten wollen: selbstbestimmt und wertschätzend.

Überdies haben Unternehmen unserer Größe und unseres Spezialisierungsgrades mit der Genderdenke aus einem weiteren simplen Grund nichts am Hut: Wir könnten sie uns schlicht nicht leisten. Zu klein, um bei Bewerbern mit der steilen Karriereleiter zu punkten, werfen wir ein tolles Team, interessante Herausforderungen, individuelle Unterstützung und persönliche Lösungen für die Work-Life-Balance in den Vorteils-Topf. Finden wir jemanden, der fachlich und menschlich zu uns passt, könnte der auch von einem anderen Planeten stammen und hätte den Job trotzdem.

Wir folgen dem Grundsatz, dass alle gleich viel wert sind – egal ob Einsteiger oder Professional, Geschäftsführer oder Praktikant, Mann oder Frau. Daran muss jeder von uns immer mal wieder arbeiten, aber schön langsam durchdringt es unsere DNA. Deshalb fällt uns zu Fragen wie: „Gibt es Maßnahmen in Ihrem Unternehmen, um die Förderung von Frauen zu verbessern?“ nur ein, dass das Geschlecht für uns kein relevantes Merkmal ist, wir alle gleichwertig (aber keinesfalls gleich) behandeln und es deshalb für alle individuelle Angebote zur persönlichen Entwicklung gibt.

Ein gewagtes Gedankenexperiment: Gehen wir doch einfach mal davon aus, dass überall alle gleich viel wert sind. Würden sich dann nicht viele Konflikte in Luft auflösen? Keiner würde mehr unter Wert bezahlt, die Jungen würden ernst genommen, die Alten geschätzt und Frauen und Männer gerecht behandelt. Eine Utopie? Keineswegs.